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Evolutionstheorien in den Natur- und Sozialwissenschaften


Evolutionstheorien in den Natur- und Sozialwissenschaften


Campus Einführungen 1. Aufl.

von: Manuela Lenzen

10,99 €

Verlag: Campus Verlag
Format: EPUB
Veröffentl.: 15.09.2003
ISBN/EAN: 9783593400501
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 162

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Die Evolutionstheorie ist nicht nur ein zentrales Konzept der Biologie, sie hat das moderne Weltbild und das Selbstverständnis des Menschen geprägt. Sie war und ist jedoch auch Gegenstand heftiger Kontroversen in den Kultur- und Sozialwissenschaften, vor allem hinsichtlich der Vererbung und der kognitiven und emotionalen Ausstattung des Menschen. Manuela Lenzen macht mit den grundlegenden Mechanismen der Evolution, den Methoden ihrer Erforschung und der wechselvollen Geschichte und Rezeption der Evolutionstheorie in Wissenschaft und Gesellschaft vertraut.
Inhalt


Einleitung 9

Evolutionstheorien vor Darwin 18
Von den Schöpfungsmythen bis zur Aufklärung 19
Gibt es Ordnung in der Vielfalt? 25
Von Donnersteinen und armen Sündern: Die Deutung
von Fossilien 27
Drei Kollegen mit drei Theorien: Cuvier, Geoffroy
de Saint-Hilaire und Lamarck 30

Darwins Evolutionstheorie 38
Konkurrenten unbekannterweise: Darwin und
Wallace 38
Die Grundlegung der Evolutionstheorie 47
»Bis hinunter zu Provinzialblättern«: Eine rasante Rezeptionsgeschichte 52

Über Darwin hinaus 57
Gregor Mendel und die verspätete Theorie der Vererbung 57
Weismann begründet den Neodarwinismus 60
Die Moderne Evolutionäre Synthese 62
Die Grundlagen der Vererbung: Chromosomen,
DNA und die Zellteilung 65
Mutationen, der Rohstoff der Evolution 66
Wozu ist Sex gut? 70
Und was ist ein Gen? 71
Art und Artbildung 73
Was ist eine Art? 73
Isolationsmechanismen 77
Die Ebenen der Selektion 79
Sind es wirklich nur die Gene? Die Theorie der Entwicklungssysteme 82
Der Evolution über die Schulter schauen:
Experimentelle Evolutionsforschung 84

Der Baum des Lebens 87
Wie alles begann I: Die Urzeugung 89
Wie alles begann II: Theorien der chemischen Evolution 90
Zusammenarbeiten statt aufessen: Die Endosymbiontentheorie 93
Die Suche nach dem richtigen Stammbaum 94
Eine kurze Geschichte des Lebens 96

Der Mensch 99
Der Mensch in der Evolutionsforschung 99
Die Abstammung des Menschen 102
Die Besonderheiten des Menschen 103
Evolution und Kultur 105
Soziobiologie und Evolutionspsychologie 109
Mehr Freiheit für die Kultur: Die Memetik 116
Die Evolutionstheorie außerhalb der Biologie 120
Die Karriere einer Metapher 120
Nicht nur Feindschaft: Die Theologie 123
Die Bibel hat doch recht: Der Kreationismus 125
Evolutionstheorien in der Philosophie 128
Evolutionäre Erkenntnistheorie 128
Evolutionäre Ethik 131
Evolutionstheorien in der Soziologie 135
Der Sozialdarwinismus 137
Die Evolution selbst in die Hand nehmen: Eugenik 143

Evolution praktisch 146
Wie der Mensch den Gang der Evolution beeinflusst 146
Die Evolution als Ingenieur: Evolutionäre Algorithmen 149
Der Blick aufs Ganze 151

Literaturverzeichnis 154
Glossar 158
Zeittafel 161
Manuela Lenzen, Dr. phil., ist Philosophin und freie Wissenschaftsjournalistin. Sie schreibt u. a. für die FAZ und die Frankfurter Rundschau. Bei Campus erschien von ihr 2002 Natürliche und künstliche Intelligenz.
Und was ist ein Gen?

Fast täglich ist in den Zeitungen von Genen für bestimmte Eigenschaften oder Erkrankungen die Rede, die gefunden worden seien. Diese Redeweise suggeriert ein simples Bild der Vorgänge in der Zelle, bei denen die Gene wie kleine Schalter Eigenschaften an- oder abschalten können. Dieses Bild ist mehr als grob vereinfachend und wird den komplexen Vorgängen in der Zelle nicht gerecht. Unter den Milliarden Basenpaaren des menschlichen Genoms finden sich 30.000 bis 40.000 für Proteine kodierende Sequenzen. Die Mitochondrien und Chloroplasten enthalten weiteres genetisches Material, das sich ebenso durch Teilung fortpflanzt wie die DNA des Zellkerns.
Der Begriff »Gen« wurde 1909 von dem Botaniker Wilhelm Johannsen (1857¬1927) geprägt. Bis in die 50er Jahre hinein war die Ein-Gen-ein-Protein-Hypothese verbreitet, derzufolge jedes Gen eben den Bauplan für ein bestimmtes Protein enthält. Doch je mehr über das Geschehen in der Zelle bekannt wird, desto mehr verschwimmt der Begriff des Gens. Weder steht ein Gen für ein Merkmal, noch steht es unbedingt für ein Protein. Das Verhältnis ist vielmehr eines von »many to many«: Viele Gene beeinflussen viele Merkmale, und viele Merkmale werden von mehr als einem Gen beeinflusst. Welche Bedeutung ein Gen hat, hängt zudem auch davon ab, in welcher Umgebung es sich befindet. Ein Gen muss nicht einmal ein bestimmter Ort auf einem Chromosom sein, sondern kann sich über mehrere Chromosomen erstrecken. »Gen« bezeichnet heute zumeist eine Transkriptionseinheit, zu der auch regulierende, nicht selbst kodierende Teile gehören. Bisweilen werden Gene auch als diejenigen Abschnitte mit phänotypischen Auswirkungen ausgemacht. Nur in diesem, nicht repräsentativen Fall, ist die Rede von einem Gen »für« etwas sinnvoll. Der gängigen Redeweise liegt ein Bild der Gene als isolierter Funktionseinheiten zugrunde, die Ernst Mayr einmal spöttisch als »Bohnensackgenetik« bezeichnete. Doch Gene verhalten sich nicht zueinander wie die Bohnen in einem Sack. Sie sind vielfältig mit anderen Genen und mit dem übrigen Geschehen in der Zelle verbunden.

Ernst Mayr, geboren 1904, studierte Medizin und Zoologie, nahm an zahlreichen Expeditionen teil und war Professor für Zoologie an der Harvard University. Er ist einer der Begründer der modernen Evolutionären Synthese.

Das molekulare Geschehen hat sich als viel komplexer erwiesen, als Mendel dies annehmen konnte, und Wissenschaftstheoretiker streiten heute um die korrekte Beziehung von Mendelscher und molekularer Genetik. Fest steht, dass in den meisten molekulargenetischen Abhandlungen die Mendelsche Gendefinition keine Rolle mehr spielt.

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