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Die letzte Hexe


Die letzte Hexe

Das Schicksal der Anna Maria Schwägelin
1. Aufl.

von: Wolfgang Petz

22,99 €

Verlag: Campus Verlag
Format: EPUB
Veröffentl.: 16.04.2007
ISBN/EAN: 9783593403458
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 204

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Wie wird man eine Hexe? Rätselhafte Andeutungen über ihr Liebesverhältnis mit dem Teufel bringen die ehemalige Dienstmagd Anna Maria Schwägelin vor das Kriminalgericht der Fürstabtei Kempten. Die Anklage lautet auf Teufelspakt, das Urteil auf Hinrichtung mit dem Schwert.
Das Schicksal der Anna Maria Schwägelin teilten viele Frauen im Zeitalter der Hexenverfolgungen. Doch dieser Prozess fand im Jahr 1775 statt, als man bereits die neuen Ideen der Aufklärung diskutierte und Hexenprozesse längst der Vergangenheit anzugehören schienen. Auf der Grundlage bislang verschollen geglaubter Quellen rekonstruiert Wolfgang Petz das Psychogramm einer Frau, die sich in den Fallstricken ihrer erotischen und religiösen Phantasien verfing. Dabei entsteht das spannungsreiche Bild einer Epoche des Umbruchs aus dem Blickwinkel der »einfachen Leute« – einer Epoche, die keineswegs so geradlinig auf den Sieg der Vernunft über den »Aberglauben« zusteuerte, wie man es von der Aufklärung zu wissen meint.
I Das Elend der Hexenprozesse

II Oberschwaben zwischen Aberglaube und Aufklärung

III Ein Dienstbotenleben: Die erste Geschichte der Anna Maria Schwägelin

IV Gefährliche Liebschaft: Die andere Geschichte der Anna Maria Schwägelin

V Vexierbilder des Teufels

VI Der letzte Akt

Nachwort
Anmerkungen
Abkürzungen
Abbildungen
Literatur
Der letzte deutsche Hexenprozess
Wolfgang Petz, Dr. phil., ist Historiker und promovierte an der Universität Augsburg. Er war Mitarbeiter im Haus der Bayerischen Geschichte Augsburg, wo er an der Konzeption und Realisierung mehrerer Landesausstellungen mitwirkte, und ist Lehrer an einem Kemptener Gymnasium.
Ein viertel oder ein halbes Jahr nach ihrem angeblichen Glaubenswechsel kam es ihrer Darstellung zufolge zur ersten Begegnung mit dem Teufel. Sie fand auf dem "lutherischen" Hart statt, als sie das zweite Mal auf dem Hieber-Hof gedient habe. Als sie damit beschäftigt gewesen sei, auf dem Feld für das Vieh Gras zu schneiden, habe sie sich hingelegt und sei eingeschlafen. Nachdem sie zwei Stunden später aufgewacht sei, habe sie hastig etwas Hafer ausgerupft und unter das Gras gemischt, um die verlorene Arbeitszeit wieder gut zu machen, damit der Bauer mit ihr nicht zanke wegen ihres langen Ausbleibens. Dabei habe sie laut ausgerufen: "Ins [!] Teufels Nahmen, wan der Baur sihet, dass ich Haber unter dem Gras habe, so schlaget er mich krum und lam."
Auf diese Worte hin sei aus dem Wald einer auf sie zugekommen. Er habe grüne Kleidung getragen, kurze Stiefel, graue Strümpfe und eine Flinte. Sie habe ihn zuerst für den ihr bekannten Peter N., den Jäger von Kronburg, gehalten; erst später sei ihr eingefallen, dass dieser Jäger schon verstorben war. Auf ihre Frage, was er da mache, habe er geantwortet: "Er gehe auf das Gewild", und sie aufgefordert, sich niederzusetzen, um mit ihm zu "kurzweilen". Worauf sie geantwortet habe, sie wolle mit verheirateten Leuten nichts zu tun haben (in einer zweiten Version der Geschichte begründete sie ihre Ablehnung jedoch damit, dass sie keine Zeit habe). Jetzt gab sich der vermeintliche Jäger als der Teufel zu erkennen und kündigte ihr zum Abschied an, sie würden schon noch zusammenkommen. Dann half der Fremde ihr, das Heu auf den Rücken zu tun, während sie entgegnete, hinter den Teufel wolle sie nicht geraten. Dann trug sie das Heubüschel nach Hause.
Abseits vom Dorf, in der Einsamkeit, wie hier auf dem Feld und nahe dem Wald, spielt sich das Geschehen ab. Der Schlaf hat die Hauptperson aus der Alltagswelt entrückt und bereitet sie gewissermaßen auf die ungewöhnliche Begegnung vor. Das Fehlverhalten der Magd setzt die eigentliche Handlung in Gang, ihre Einladung an den Satan treibt sie weiter voran. Vom Versucher weiß der Volksmund, dass man ihn nicht "berufen", nicht "an die Wand malen" soll, weshalb man nach Möglichkeit schon die Nennung seines Namens vermeidet und statt dessen lieber vom "bösen Feind" spricht, wie in den Hexenverhören des 18. Jahrhunderts. Auch Märchen und Sage kennen das Motiv von der leichtfertigen Beschwörung des Teufels, und charakteristisch für ihn ist immer, dass er darauf ohne Verzug reagiert. Wenn der Teufel bei der ersten Begegnung aus dem Wald kommt, verweist er damit auf seine Verbindung zur kreatürlichen Welt, die ungetauft und deshalb nicht christlich ist. Vor allem aber entspricht seine äußere Erscheinung einer alten Vorstellung, denn schon der Kirchenlehrer Augustinus vergleicht den Teufel mit einem Jäger. Er ist eine der vielen Verkleidungen des Bösen. Zur Tarnung hat er außerdem die Gestalt eines Bekannten der Schwägelin angenommen, allerdings mit dem "Pferdefuß", dass dieser nicht mehr am Leben ist.
Dieser Fehler, den die Magd durchschaut, lässt sie die wahre Natur des Fremden ahnen. Seine sexuelle Annäherung weist sie - deshalb? - zurück; der Teufelspakt ist einstweilen noch aufgeschoben. Aber seine kleine Hilfeleistung, als sie das geschnittene Gras auf den Rücken hebt, lässt sie sich gefallen und muss daher damit rechnen, von ihm bei der nächsten Begegnung zum Bündnis aufgefordert zu werden. Auch dieses Motiv der angenommenen Unterstützung findet sich in volkstümlichen Erzählstoffen, die uns zugleich eine mögliche Fortsetzung der Geschichte der Schwägelin liefern. In einer variantenreich verbreiteten Allgäuer Überlieferung ist es zum Beispiel ein armer Schuster oder ein Senn, der von einer Hexe lernt, wie man durch einen entsprechenden Zusatz aus wenig Rahm eine ungeheure Menge Butter gewinnt. Schon an einem der nächsten Abende kommt aber der Teufel zu ihm und fordert die mit Blut zu leistende Unterschrift.

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