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Das Ordnen der Dinge


Das Ordnen der Dinge

Aufräumen als soziale Praktik
1. Aufl.

von: Stefanie Mallon

35,99 €

Verlag: Campus Verlag
Format: PDF
Veröffentl.: 09.05.2018
ISBN/EAN: 9783593438986
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 387

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Der Alltag ist uns vertraut, aber keineswegs erforscht. Das Aufräumen beispielsweise scheint so banal, dass sich die Wissenschaft kaum damit beschäftigt. Dabei fordert es grundlegende Fragen geradezu heraus: Wie wird Ordnung in der spätmodernen Gesellschaft überhaupt möglich und notwendig gemacht? Und welche Normen stehen hinter den gesellschaftlichen Vorstellungen von Ordnung? Stefanie Mallon geht diesen Fragen in ihrer originellen wie umfassenden Studie nach. Sie nimmt dabei besonders Geschlechterrollen und die Milieuzugehörigkeit in den Blick und zeigt, wie die Erziehung zu Ordnung abläuft.
Inhalt
Einleitung 9
Ordnen von Dingen 9
Wissenschaftlicher Ansatz 12
Interviews: Vorstudie zur Generierung von Fragen und Material 18
Perspektiven und Vorgehen 22
Definitionen und theoretische Grundlagen 29
Perspektive I: Ordnungspraktik im sozialen Feld 46
1.1. Ausgangspunkt: ›Wohnen‹ und normalisierte Ordnung 46
1.2. Ordnungspraktik 55
1.2.1. Ordnungspraktik und Geschlecht 55
1.2.2. Ordnungspraktik und soziale Hierarchie 65
1.3. Responsibilisierung 73
1.3.1. Responsibilisierung nach Notwendigkeitszwang und Geschlecht 73
1.3.2. Responsibilisierung nach Geschlecht spezifisch in der Spätmoderne 81
1.3.3. Responsibilisierung und Gatekeeping 89
Diskussion: Ordnung im sozialen Feld 93
Perspektive II: Erziehung zu Ordnung in Familien und Institutionen 97
2.1. Ausgangspunkt: Erlernen von Ordnung 99
2.2. Private Erziehung zu Ordnung 103
2.2.1. Erziehungskonzepte von Alltagsakteur*innen 107
2.2.2. Eltern in der Verantwortung 128
2.2.3. ›Fassadenordnung‹ 132
2.3. Der öffentliche Blick auf Ordnung und Erziehung zu Ordnung 134
2.3.1. Schule als Instanz der Vereinheitlichung von Ordnungspraktiken 136
2.3.2. Soziale Devianz im Verhältnis zu Ordnung und Sauberkeit 139
2.3.3. Ordnung und Erziehung zu Ordnung im Kinder- und Jugendheim 148
2.4. Exkurs: Ordnung und Erziehung zu Ordnung am selbstregulativen Internat Summerhill 163
Diskussion: Erziehung zu Ordnung 168
Perspektive III: ›Hygiene‹ und Ordnungspraktik 176
3.1. Etymologische Einordnung des Begriffs ›Hygiene‹ 177
3.2. ›Hygiene‹ im Kontext des Krankenhauses 179
3.2.1. Frühe Krankenhäuser 179
3.2.2. ›Hygiene‹ als Keimfreiheit: Aseptik und Antiseptik im Krankenhaus 180
3.2.3. Krankenhaus als spezifisches Umfeld für (potenzielle) Pathogene 182
3.2.4. Die ›Hygienehypothese‹ 185
3.3. ›Hygiene‹ und Sauberkeit 187
3.3.1. ›Hygiene‹ und Sauberkeit als soziokulturelle Faktoren 187
3.3.2. Die Konzepte ›Hygiene‹ und ›Sauberkeit‹ in der Moderne 190
3.3.3. ›Hygiene‹ als Ordnungsleistung 193
3.3.4. ›Hygiene‹ als rationalisierte Form der Diskriminierung 197
3.4. ›Hygiene‹ als Reinheitsgebot im Wohnraum 200
3.4.1. Wohnungshygiene in der Moderne 200
3.4.2. Wohnungshygiene spezifisch in der späten Moderne 201
3.4.3. Wohnungshygiene in der Werbung 207
3.4.4. Wissen von ›Hygiene‹ im Alltag: Interviews mit Alltagsakteur*innen 212
Diskussion: ›Hygiene‹ und Ordnungspraktik 216
Perspektive IV: Empirische Forschungen zu Unordnung 221
4.1. Beispiel: Studien zur psychosozialen Wirkung von Unordnung auf Kinder 222
Diskussion 4.1. 238
4.2. Beispiel: Studien zur psychosozialen Relevanz von Unordnung 241
Diskussion 4.2. 251
4.3. Beispiel: Studien zu Unordnung und Kriminalität 252
Diskussion 4.3. 264
Diskussion: Empirische Forschung zu Unordnung 267
Perspektive V: Selbst-Bildung in der Ordnungspraktik 272
5.1. Selbst-Bildung als Konzept 274
5.2. Ratgeberanalyse 277
5.2.1. Adressat*innengruppe der Aufräumratgeber 277
5.2.2. Auswahl und Beschreibung der Ratgeber 278
5.2.3. Das Phänomen ›Unordnung‹ in Ratgebern 282
5.2.4. ›Öffentlichkeit‹ als wirksames Element der Responsibilisierung 284
5.2.5. Praktik des Ordnens der Dinge und Selbst-Bildung 292
5.2.6. Aufräumratgeberliteratur als spätmodernes Regulationsmoment 321
Diskussion: Selbstbildung 327
Fazit und Ausblick 333
Literatur 364
Interviews 387
Abbildungen 387
Stefanie Mallon, Dr. phil., ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin an der Universität Oldenburg.
Einleitung
Ordnen von Dingen
Wieso räumen wir eigentlich auf? Warum ordnen wir die Dinge in unserem Wohnraum, stellen sie an ›ihren Platz‹, grenzen sie von anderen ab? Welches Ziel verfolgen wir, wenn wir sie vielleicht noch säubern, auch die Böden waschen, Staub wischen und die Fenster putzen? Einerseits scheinen diese Tätigkeiten - als Reaktion auf die Entstehung von Unordnung und die Ansammlung von ›Schmutz‹ - eine Selbstverständlichkeit darzustellen. Doch andererseits zählen Aufräumfertigkeiten nicht zur Grundausrüstung der Menschen. Dieser Hinweis verdeutlicht die Prägnanz der einführenden Fragen. Denn viele Tierarten ordnen zwar ihr Umfeld oder bringen Dinge in eine sinnvolle Ordnung. Sie bauen sich zum Beispiel Behausungen oder Nester, die sie außerdem sauber und ordentlich halten können. Sie sind imstande, ihr Fell oder ihren Körper zu reinigen und auch vielleicht bestimmte Substanzen voneinander zu trennen sowie Fäkalien aus ihrem Schlafbereich herauszuhalten. Solche Aufräumvorgänge können zum Teil auch eine große Komplexität aufweisen. Was solche tierische Formen der Aufräumtätigkeit allerdings von menschlichen unterscheidet, ist, dass sie nicht grundsätzlich erlernt werden müssen. Sie gehören zu ihrem Instinktrepertoire. Das Verfahren des menschlichen Aufräumens hingegen ist an einen umfassenden Aneignungsprozess gebunden. Konflikthafte Auseinandersetzungen zwischen Eltern und ihren Kindern sind ein erster Anhaltspunkt dafür, wie wenig selbstverständlich das ›Aufräumen‹ Teil unseres Handwerkszeugs ist. Es ist ein allererst zu erwerbendes, aufwendig akquiriertes menschliches Ausdrucksvermögen.
Der Wohnraum stellt einen bedeutenden Teil unserer Erfahrungswelt dar. Er kann individuell gestaltet werden und wird durch ein ›Ordnen der Dinge‹ in seiner Erscheinung kontinuierlich definiert. Der Soziologe Jean-Claude Kaufmann sieht diese Betätigung als eine der grundlegendsten aller menschlichen Tätigkeiten an (vgl. Kaufmann 1999 [1997]: 19). ›Aufräumen‹, so schreibt er mit Bezug auf den französischen Ethnologen und Archäologen André Leroi-Gourhan, sei ein konstituierender Bestandteil des Symboldispositivs. Dies umfasst die Entwicklung von Sprache, visuellen Darstellungen und auch die in der vorliegenden Arbeit behandelte Herstellung von physischer Ordnung im Wohnbereich. Leroi-Gourhan folgert aus seinen Forschungen, dass der Mensch in einem solchen Symboldispositiv seine distinktive Qualität auszubilden beginnt. Es gelänge ihm demnach, der Unberechenbarkeit seiner konkret erfahrbaren Umwelt eine Symbolik entgegenzustellen und ihre (Ein-)Wirkung auf diese Weise vermittelt zu kontrollieren. Leroi-Gourhan zufolge werden so chaotische und nicht steuerbare Vorkommnisse präformiert und ihre Komplexität nach Mustern reduziert. Dies schütze die menschliche Wahrnehmung vor Überlastung. Denn Symbole bieten die Möglichkeit, Entitäten mit Sinn zu belegen und sie so von der ungefilterten und potenziell irrationalen ›Wirklichkeitserfahrung‹ abzuheben (vgl. Leroi-Gourhan 1980 [1964]: 387ff.).
Ausgehend von seinen Analysen zu vorgeschichtlichen menschlichen Behausungen notiert Leroi-Gourhan, das Haus sei der Mittelpunkt aller Formen des menschlichen Schaffens:
"In allen bekannten menschlichen Gruppen ist die Wohnstätte Ausdruck einer dreifachen Notwendigkeit; des Erfordernisses, eine technisch effiziente Umgebung zu schaffen, der Notwendigkeit, dem sozialen System einen Rahmen zu geben, und des Erfordernisses, im umgebenden Universum von einem Punkt her eine Ordnung zu schaffen" (ebd.: 397).
Demnach vollziehe sich im Symboldispositiv "eine regelrechte, durch Symbole vermittelte Inbesitznahme von Zeit und Raum, eine Domestikation im strengsten Sinne des Wortes, denn sie führen mit dem Haus und ausgehend vom Haus zur Schöpfung eines beherrschbaren Raumes und einer beherrschbaren Zeit" (ebd.: 390).
Die hier vorliegende Studie baut auf vorhergehende Arbeiten auf. Erstmals verfolgte ich das spezifische Erkenntnisinteresse an Kontingenz von Ordnung und Ordnungssystemen gezielt mit meiner Bachelorabschlussarbeit (vgl. Mallon 2011b). Anschauungsmaterial dafür bot die Sammlung eines sehr unordentlichen Sammlers, in der sich verschiedene, miteinander verschlungene Ordnungssysteme ausmachen ließen. Im Laufe der Untersuchung wurde deutlich, dass es verschiedenartige Ordnungssysteme geben kann, die alle auf eigene Weise funktionsfähig sind. Sie regulieren die Verfügbarkeit von einzelnen Bestandteilen einer Ansammlung von Dingen, indem sie sie nach nachvollziehbaren Regeln zueinander in Beziehung setzen. Ein Ordnungssystem kann der Intersubjektivität dienen, wenn es mit einer Reduktion von Komplexität auf effiziente und nachvollziehbare Erschließbarkeit der Masse abzielt. Je strukturierter ein Ordnungssystem die Dinge in der Ordnung positioniert, je systematischer sein Prinzip sie abrufbar macht, desto eher können die Einzelteile auch von Personen ohne intuitive Kenntnis der Sachlage verortet werden.
Neben diesem funktionalen Aspekt von Effizienz und intersubjektiver Organisation wurde in diesem Beispiel auch noch ein anderes Phänomen deutlich: Je weniger planvoll und nachvollziehbar die materiellen Dinge im Haus geordnet sind, desto weniger akzeptabel scheinen sie bzw. der sie beherbergende Wohnraum der Außenwelt. Dies hatte in diesem speziellen Beispiel dazu geführt, dass der Sammler seine unordentliche Sammlung und seine Wohnung vollständig von der Außenwelt abgeschirmt hat. Der Blick der Öffentlichkeit ist, so ein Ergebnis der Arbeit, auf die Durchdringung des Ordnungszustands in dem Wohnumfeld angelegt und zugleich ein Instrument für die Produktion von Scham. Er hatte in diesem Fall zwar nicht die Macht, den Sammler dazu zu bewegen, sein Ordnungsverhalten an gängige Standards anzupassen. Er war aber der Anlass, ihn dazu zu bringen, fast vollständig im Verborgenen zu wohnen: Er empfing keinen Besuch mehr und die Gardinen blieben immer geschlossen. Dieser Aspekt wird auch in der vorliegenden Arbeit wieder von Bedeutung sein.
In der Masterabschlussarbeit stand ein anderes Phänomen im Vordergrund: Die ›Entstehung von Unordnung‹ (vgl. Mallon 2011a). In der transdisziplinären Untersuchung wurde deutlich, dass Unordnung fortwährend entsteht. Ganz einfache Energieaustauschprozesse sind für den dominanten Verfall von Ordnungen in Un-Ordnungen verantwortlich. Die Herstellung von Ordnung hingegen ist aufwändiger und kann (in der Regel) nur unter Zufuhr von Energie und Information erfolgen. Es wurde deutlich, dass alle Ordnungen (nicht nur materielle) prekär sind. Ihre vermeintliche Stabilität stellt eine Illusion dar, deren Erhalt kontinuierlichen Aufwand bedeutet. Als ein Ergebnis der Arbeit kann gelten, dass das Aufbrechen von starren Ordnungssystemen die in dem Prozess ihrer Erhaltung gebundenen Energien freisetzt. Der befreiende Effekt geht mit dem Versprechen von individuellen Gestaltungsmöglichkeiten und auch individueller Gestaltungsmacht einher. Der entstehenden Unordnung anschließend Einhalt zu gebieten, erfordert jedoch einen noch größeren Kraftaufwand. Auch können sich die Aushandlungsprozesse um neu zu konstruierende Sinnstrukturen zuweilen in unberechenbare Richtungen entwickeln. Als These der Studie kann gelten, dass der Erhalt materieller Ordnung nach allgemein verständlichen Regeln auch im Privatraum als persönliche Investition und als Baustein der gemeinschaftlichen Stabilität gewertet wird. Die Vernachlässigung von Ordnung kann hingegen demnach als gefährliche Subversion der gemeinschaftlichen Strukturen verstanden werden. Dies wirft ein klärendes Licht darauf, warum der unordentliche Sammler seine intersubjektive Regeln unterlaufende und chaotisch erscheinende Sammlung vor den Blicken von Außenstehenden verborgen hält.
Sinnvolle Ordnung erscheint hingegen als so ›normal‹, dass sie gar nicht wahrgenommen wird. Vor dem Hintergrund, dass sie doch eigentlich einen artifiziellen Zustand darstellt, ist dies erstaunlich. An diesen Hinweis anknüpfend wird in der hier vorliegenden Arbeit danach gefragt, wie die Bedingungen für diese Normalisierung geschaffen werden. Es wird untersucht, wie das ›Ordnen der Dinge‹ als soziale Praktik gouvernemental verwaltet wird. Leitend sind dabei die übergeordneten Fragen: Welche gesellschaftlichen Mechanismen sind dabei wirksam, die Praktik des Aufräumens einzufordern und zu strukturieren? Insbesondere sind dabei die Produktion von Alltagswissen über Normen und die Rolle wissenschaftlicher Forschung von Interesse. Dabei wird ein genauer Blick darauf geworfen, wie sich die Responsibilisierung von Alltagsakteur*innen in Bezug auf diese Wissensbestände vollzieht. Das Ziel ist eine Sensibilisierung für die Normalisierungsbestrebungen, die die in Frage stehende Praktik so ›selbstverständlich‹ erscheinen lassen, wie sie sich im Alltag präsentiert.
Wissenschaftlicher Ansatz
Der Titel dieser Arbeit bezieht sich auf den deutschen Titel von Michel Foucaults Les mots et les choses: Die Ordnung der Dinge (1974). Mit dem deutschen Untertitel, Eine Archäologie der Humanwissenschaften, wird auf Foucaults Archivarbeit mit historischen Dokumenten verwiesen. Foucaults Arbeit zeigt, dass ›Wissen‹ sich nicht linear entwickelt. Epochale Schichtungen strukturieren die Dokumente, die er in den Archiven analysiert, nach dem, was jeweils als sag- und machbar anerkannt wird. Die kontingenten gemeinschaftlichen Sinnstrukturen bestimmen auch die Gültigkeit von Ordnungssystemen. Auch diese produzieren Bedeutung nicht aus sich selbst heraus, sondern können nur innerhalb eines sinnvollen Kontexts weiterführend gelesen und verstanden werden. So soll der hier gewählte Titel - ›Das Ordnen der Dinge‹ - auf diese erkenntnistheoretische Ausgangskonstellation verweisen.
Darüber hinaus soll mit ihm verdeutlicht werden, dass Ordnungen von Dingen auch ganz praktisch nach solchen Ordnungssystemen allererst erstellt werden müssen. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung erfährt die praktische Tätigkeit als Untersuchungsgegenstand trotz ihrer Alltäglichkeit wenig Beachtung. Das Phänomen stellt ein Forschungsdesiderat dar - auch in Forschungsbereichen der Soziologie, der Pädagogik und der Psychologie, in denen man erwartet hätte, entsprechende Literatur zu finden. Die Literaturrecherche erfolgte hauptsächlich wie üblich nach Verweisen aus Literaturlisten, über Bibliothekssuchportale, vor Bücher- und Fachzeitschriftenregalen (also nach Signaturen) und in Onlinedatenbanken. Auch mit Bibliotheksreferent*innen und Expert*innen aus Berufen der Sozialen Arbeit wurde über weiterführende Literatur beraten. Keiner der dort erhaltenen, für ›sicher‹ gehaltenen Hinweise oder Erwähnungen auch von Fachzeitschriften führte zu Ergebnissen. Zum Teil hatte man angenommen, dass es ›selbstverständlich‹ etwas dazu geben müsse. Oft waren es Trugschlüsse, die sich aus dem Titel einer Veröffentlichung ergeben hatten. Ein Beispiel ist Verwahrloste Jugend des Pädagogen August Aichhorn (vgl. Aichhorn 1925 [1951]). Es handelt sich dabei um eine psychoanalytische Betrachtung von Jugendlichen in der Fürsorgeerziehung - ohne Bezug auf physische Ordnungspflege. Es ist auch zu bemerken, dass es eine Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Bewusstsein zur Forschungslage zum ›Ordnen der Dinge‹ und der tatsächlichen Forschungslage zu geben scheint. Vor diesem Hintergrund erklärt sich die Bildung von subjektiven Theorien. Allein der Titel eines Sammelband, Chaos and its Influence on Children's Development (vgl. Evans/Wachs 2010), veranlasste den Bibliothekar bei der Buchausgabe zu der zustimmenden und emphatischen Äußerung, wie wichtig ordentliche Kinderzimmer für Kinder seien (ohne dass er von meinem Forschungsinteresse gewusst hätte). Eine nähere Analyse zeigte hingegen, dass der Band sich fast ausschließlich mit struktureller Ordnung befasst. Physische Ordnung wird nur marginal behandelt und führte nicht zu belastbaren Forschungsergebnissen (siehe Perspektive IV).
Es ist aus nachvollziehbaren Gründen nicht möglich, auch bei erschöpfender Recherche die Existenz von weiterer Literatur zu diesem Thema glaubwürdig ausschließen zu können. Es ist vielmehr anzunehmen, dass diese Veröffentlichungen in geringerer Anzahl als sich vermuten ließe vorliegen und dadurch schwerer ausfindig zu machen sind. Das subjektive Vertrauen in gesicherte Forschungsergebnisse zu diesem Thema von Alltagsakteur*innen und die scheinbare Evidenz der Sachlage sind jedoch auf jeden Fall bemerkenswert.
Die von mir ausfindig gemachten Veröffentlichungen, die sich konkret mit der Herstellung von materieller häuslicher Ordnung befassen, sind folglich begrenzt an der Zahl. Im Folgenden werden grundlegende Publikationen vorgestellt und im Hauptteil vertieft. Die Philosophin Simone de Beauvoir schreibt 1949 eine Abhandlung über ›die Frau‹ als ›das zweite Geschlecht‹ (vgl. de Beauvoir: 8). Sie befasst sich darin mit der Unterscheidung zwischen zwei Geschlechtern und befasst sich mit den Zuschreibungen und der gleichzeitigen Exklusion von einem Geschlecht (dem weiblichen) aus der Sphäre des anderen (dem männlichen). In dem Kapitel "Ehe" geht es auch um eine mit der Eheschließung einhergehende Verpflichtung von Frauen zur Hausarbeit, der Organisation des Hausrats und den damit erlittenen Zumutungen insbesondere durch Verlust von Freiheit und Selbstbestimmung. Veröffentlichungen dieser Art befassen sich zumeist mit der für diese Untersuchung essentiellen Beobachtung einer - möglichen - überindividuellen Vorbestimmung zur Haushaltsführung von Frauen. Sie thematisieren allerdings meist weniger die Aufgabe des Ordnens als solche, wie es de Beauvoir (zumindest in diesem Kapitel) tut. Als Kontextmaterialien erfüllen sie aber eine wichtige Funktion und werden in Kapitel I herangezogen.
Die Kulturwissenschaftlerin Ina Schmidt befasst sich in ihrer Monographie Alles in bester Ordnung vertieft mit der Bedeutung von materieller Ordnung im Haushalt (vgl. Schmidt 2011). Den Wert dieser essayistischen - und autobiographischen - Veröffentlichung sehe ich vor allem in einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit Sinn und Unsinn von Ordnung. Es handelt sich allerdings nicht um eine empirische Arbeit mit verallgemeinerbaren Erkenntnissen. Sie erreicht stattdessen eine gewisse philosophische Tiefe mit einem Plädoyer für mehr Unordnung. Dieses sehe ich als - zeitgemäß - im Zusammenhang mit einer spätmodernen Delegitimation von strengen Ordnungsregeln in diesem Bereich und dem ausgewiesenen kulturellen Kapital der Autorin stehend. Sie positioniert sich als (intellektuelle) Hausfrau (nämlich in erster Verantwortung für ›Ordnung‹ im Haus). Als solche setzt sie sich zwar kritisch mit den Zwängen und Belastungen auseinander, die mit der Responsibilisierung einhergehen, aber nicht mit der Rolle, die ihr mit ihrer Geschlechtszugehörigkeit zugewiesen wird. In der vorliegenden Arbeit kann nicht weiterführend an sie angeknüpft werden.
Der Architekt Witold Rybczynski (1991) bietet in seiner Betrachtung von ›Behaglichkeit‹ in der Geschichte von Inneneinrichtungen eine systematische Einordnung auch von Ordnungstätigkeiten. Er bekundet seine Abneigung gegen klare und überwiegend methodische Ordnung - und auch ein Vergnügen daran, Spuren von sich selbst in seiner ihn umgebenden Unordnung zu entdecken. Weiterhin zeigt er in seiner historischen Abhandlung hauptsächlich Interesse dafür, welche Rolle Frauen dabei spielen könnten, ein gewisses Maß an ›behaglicher Unordnung‹ dieser Art zu ermöglichen, indem sie sie bändigen und auch Ordnung wieder herstellen (vgl. Rybczynski). Diese Betrachtungen werden im ersten Kapitel eingehend nach dem hier verfolgten Erkenntnisinteresse analysiert und eingeordnet.
Gemeinsam mit der Organisationsforscherin Barbara Czarniawska hat der Ethnologe und Kulturanthropologe Ovar Löfgren den Sammelband Managing Overflows herausgebracht (vgl. Czarniawaska/Löfgren 2012). Die beiden leiten das gleichnamige Forschungsprojekt, in welchem die Definition und die Erfahrung von Überfluss in der modernden Gesellschaft untersucht werden. Zur transdisziplinären Erörterung kommen dabei Aspekte von Ethik, Ökonomie, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Transformation. Es wird allerdings nicht in erster Linie materieller Überfluss behandelt, sondern zum Beispiel auch die (digitale) Informationsflut und der Effekt von Massentourismus und anderen Möglichkeiten, die Überfluss eröffnet. In seinem darin erschienenen Artikel It's simply too much! Coping with Domestic Overflow (vgl. Löfgren 2012) befasst Löfgren sich mit häuslichen Routinen, deren automatisierter Verlauf durch Überforderung gestört - und damit aber auch erkennbar - wird. In einem weiteren kurzen Essay, Mess. On Domestic Overflows (vgl. Löfgren 2016), lenkt er sein Augenmerk auf die konsumbedingte Zunahme von Dingen im häuslichen Umfeld und die daraus erwachsende verschärfte Herausforderung, Ordnung herzustellen. Nach einer ontologischen Betrachtung des Phänomens, ordnet er es kurz, aber prägnant nach strukturierenden Gesichtspunkten wie Moral, Gender, sozialer Hierarchie und Ästhetik ein. Er schließt damit, es auch als ökonomisches Feld zu betrachten: Einerseits ist der stimulierte Konsum marktgeneriert und andererseits instrumentalisiert die Industrie die negativen Zuschreibungen zu Unordnung zum Verkauf von ordnungsschaffenden Möbeln und Behältnissen.
Insbesondere werde ich mich aber auf die eingangs erwähnte Monografie Mit Leib und Seele. Theorie der Haushaltstätigkeit von Jean-Claude Kaufmann (1999) beziehen. Der Autor geht ebenfalls der leitenden Frage nach, was die Menschen antreibt, wenn sie im Haushalt Ordnung schaffen. In seiner ›Theorie der Haushaltstätigkeit‹ beschreibt er das Bedürfnis nach Erstellung von Ordnung im Privatbereich als mächtiges Phänomen. Kaufmann sieht das Individuum in seinen Möglichkeiten, frei zu handeln und zu entscheiden, eingeschränkt und in der Hauptsache objektiven Vorgaben unterworfen. Anschaulich beschreibt er, wie uns die materiellen Dinge zum Beispiel in einen algorithmischen Bewegungsablauf einbinden. Sie geben demnach die Bedingung für ihre Nutzung vor; und auch das Wieder-Einfügen in eine vorgesehene Ordnung unterliegt bestimmten Regeln. Kaufmann nennt dies den ›Tanz mit den Dingen‹, in dem wir uns ohne bewusste Auseinandersetzung mit den notwendigen Tätigkeiten den Anforderungen und Voraussetzungen entsprechend bewegten, wie in einem ›Räderwerk eines heimlichen Mechanismus‹ (vgl. ebd.: 12). Der Autor sieht die Akteur*innen auf diese Weise in einen Alltag eingebunden, dessen Übermacht ihnen viel abverlangt. Dabei spiele insbesondere inkorporiertes Wissen eine herausragende Rolle. Es sei durch Sozialisation, Erziehung und das kulturelle Gedächtnis geformt und ließe sich kaum vom Bewusstsein steuern (vgl. ebd. zum Beispiel: 175ff.). Diese Instanz ermögliche es, wiederkehrende Alltagsaufgaben wie das Aufräumen durch Automatismen zu routinisieren, und somit die Komplexität des Alltags zu reduzieren (vgl. ebd.: 20 und 288).
Kaufmanns Untersuchung basiert auf 27 Interviews mit und zwölf Briefen von Alltagsakteur*innen. Die verborgene Bedeutung des Alltäglichen, schreibt Kaufmann, könne durch die Interpretation der in ihnen vermittelten Geschichten entschlüsselt werden. Bei der Auswertung verfährt er mit einer eher anekdotenhaften Wiedergabe von Aussagen zu den jeweiligen Themenbereichen, die er in den einzelnen Abschnitten behandelt. Er stellt fest, dass seine Gewährsleute (fast) alle mit einer gewissen Leidenschaft die Praktik ausüben, und folgert, die Menschen seien ihr generell mit ›Leib und Seele‹ verschrieben. Diese Redewendung beschreibt dabei keine bewusste Zuwendung, sondern eine subliminale Verhaftetheit und beinhaltet Kaufmanns Angaben zufolge ein bedeutendes Potenzial im Hinblick auf diese ansonsten oft monotone und repetitive Aufgabe. Er schreibt dazu:
"Mit Leib und Seele an eine Sache herangehen, bedeutet, dort, wo der Elan verloren gegangen ist, mit Hilfe einer inneren Regung und nicht aufgrund einer bewussten Entscheidung oder einer willentlichen Anstrengung zu neuem Antrieb zu finden" (ebd.: 14).
Kaufmann stellt die These auf, dass die Praktik des Aufräumens eine Zitation ›uralter Gesten‹ darstellt. Er bezieht sich damit, wie oben schon erwähnt, auf Leroi-Gourhans Einsicht, die Ordnungstätigkeit sei eine der ursprünglichsten aller kulturellen Praktiken. Der Autor erkennt zwar eine "grenzenlose Vielfalt der Verfahrensweisen und Gewohnheiten" (ebd.: 35f.) an. Wohl verfügten wir auch über ein gewisses Maß an Entscheidungskraft. Diese richte sich allerdings eher darauf zu bestimmen, zum Beispiel wann und in welcher Form wir eine Aufgabe erledigen, als darüber, ob wir sie erledigen. Dabei schlichen sich Variationen und auch schrullige Eigenheiten in die im eigenen Heim ausgeführte Praktik ein. Diese entwickelten die Akteur*innen in ihrer selbstvergessenen Vertiefung und leidenschaftlichen Beschäftigung mit der Tätigkeit. Gelegentliche Blicke von Außenstehenden seien aber ein Instrument sozialer Kontrolle und aktivierten Selbstreflexion und Selbstregulierung, denn sie belebten die Erinnerung an gemeinschaftliche Normen (vgl. ebd. zum Beispiel: 39 und 172).
Eine weitere seiner Thesen ist, dass Hausarbeit als Familienarbeit anzusehen ist. Kaufmann schreibt dazu, wie oben schon erläutert, dass den Haushalt machen auch bedeute, Familie zu konstruieren (ebd.: 68). Er hält Delegieren von Haushaltsaufgaben für nahezu unmöglich. Unterschiedliche Grade der leidenschaftlichen Zugewandtheit erklärt er dabei mit der Relevanz von Familie für die haushaltsführende Person. Familie sei gerade die Sprungfeder, die das Räderwerk in Bewegung setzt (vgl. ebd.: 107ff.). Diese überraschenden Aussagen geben Anlass dazu, sich die Sachlage genauer anzuschauen.
Der - wie hier aufgeführt - nur ephemer manifestierte (und auch nicht ganz überzeugende) wissenschaftliche Diskurs stellte mich für die Suche nach gouvernementalen Wirkstrukturen methodisch vor eine Herausforderung. Um, wie in der vorliegenden Arbeit angestrebt, Normalisierungseffekte identifizieren zu können und ›Naturalisierung‹ und ›Essentialisierung‹ der Praktik des Aufräumens zu unterlaufen, bot sich eine Diskursanalyse an. Mit ihr kann entlang den übergeordneten Kategorien ›Sprache‹, ›Praxis‹ und ›Kontext‹ der Frage nachgegangen werden, wie in sozialen Praktiken Sinn produziert wird (vgl. Angermuller u. a. 2014: 21ff.). Wichtig war es also, eine systematische Methode zu konzipieren, um den Spuren des Diskurses zum Ordnen der Dinge einen Resonanzraum aufspannen zu können. Mein Interesse lief daher darauf hinaus, Kontexte zu finden, in denen sich diskursive Niederschläge oder auch auffällige Leerstellen sinnvoll verknüpfen ließen. Die Suchrichtung für diese Kontexte gaben einerseits die wenigen oben genannten Veröffentlichungen vor. Sie wurden andererseits kombiniert mit Fragerichtungen, die aus dem Alltagsdiskurs stammen. Um also trotz der nur rudimentären Behandlung des Themenbereiches in der Fachliteratur ein breites Spektrum des Diskurses analysieren zu können, wurden Interviews mit Alltagsakteur*innen und Expert*innen aus der beruflichen Alltagspraxis zur Erkundung des Feldes geführt. Mit diesen Interviews werden reflektierte Einblicke in die täglichen, immer wiederkehrenden Konfrontationen mit dem Aufräumen im Wohnraum aus dem Alltagsdiskurs ermöglicht.
Interviews: Vorstudie zur Generierung von Fragen und Material
Die Rekrutierung der Alltagsakteur*innen für Interviews erfolgte über drei Kontaktpunkte und setzte sich mit daraus hervorgehenden Vermittlungen weiterer Gesprächspartner*innen nach einem ›Schneeballsystem‹ fort. Adressat*innen waren ausschließlich Personen, die hauptverantwortlich für die Herstellung von Ordnung in ihrem Haushalt sind. Es handelt sich um zehn Personen, darunter acht Frauen und zwei Männer. Sieben dieser Personen sorgen für Kinder (davon drei alleinerziehend), während die anderen drei alleine (ohne Kinder und ohne Partner*in) in ihrer Wohnung leben.
Ich ging davon aus, dass Kinder im Haushalt das Halten von Ordnung vor eine Herausforderung stellen. Die Annahme war, dass man sich unter Umständen wie der daraus resultierenden erhöhten Reibung mit der vorausgesetzten ›Normalität‹ der Tätigkeit vertieft auseinandersetzt und mögliche Zwänge im Bewusstsein der Akteur*innen klarer zutage treten. Dem nachfolgend habe ich die erste Gruppe relativ gezielt adressiert. Die erste Interviewpartnerin dieser Gruppe (Elternteile aus kinderreichen Familien) wurde mir über eine Kontaktperson aus meinem Bekanntenkreis vermittelt: Susanne T. wohnt mit ihren sieben Kindern und ihrem Partner in einem Haus mit Garten in einer kleineren Stadt im Ammerland. Sie ist Soziologin, aber nicht berufstätig. Sie ist hauptverantwortlich für das Halten und Herstellen von Ordnung und bedauert es, dass ihr Partner ihr dabei nicht zur Hand geht - ein Gefühl, das sich vor allem mit den Geburten der jüngeren Kinder verstärkt hat. Susanne T. hat mir noch zwei weitere Interviews mit sehr kinderreichen Müttern vermittelt. Antonia M. lebt in einer Doppelhaushälfte mit ihrem Partner und fünf Kindern. Ihr Partner ist vollzeitberufstätig; sie arbeitet in Teilzeit als Ärztin. In dem Interview beschreibt sie die tägliche Herausforderung, der immer wieder entstehenden Unordnung im häuslichen Bereich Ordnung entgegenzusetzen. Die Homöopathin Michaela B. lebt mit sechs Kindern ebenfalls in einem herkömmlichen Familienmodell. Ihr Partner ist haupterwerbstätig, während sie gerade ihre homöopathische Praxis aufbaut. Sie ist hauptverantwortlich für die Ordnung in ihrem Einfamilienhaus. Von ihrem Partner verlangt sie nicht, dass er Ordnungsaufgaben übernimmt. Stattdessen zieht sie es vor, dass er etwas mit den gemeinsamen Kindern unternimmt. Die Befragung dieser Frauen war tatsächlich gut dazu geeignet, Besonderheiten und kennzeichnende Muster der Praktik zu identifizieren (zum Beispiel die geschlechtlich differenzierte Responsibilisierung für Ordnungstätigkeiten, das einsetzende Hinterfragen der Notwendigkeit von Ordnung in dauerhaften Stresssituationen, Schwierigkeiten bei der systematischen Erziehung der Kinder zu Ordnung). Alle drei Interviewpartnerinnen zeigten sich reflektiert und haben eloquent und gründlich die Fragen beantwortet. Ein Bewusstsein dafür, Adressatin von gesellschaftlichen Mechanismen geworden zu sein, hatte jedoch keine von ihnen.
Da es mein Bestreben war, eine gewisse Breite des Phänomens zu erfassen, habe ich die Rekrutierung der Interviewpartner*innen ausgeweitet. Eines meiner Interessen war auch die Naturalisierung einer Responsibilisierung nach Geschlecht. In den kinderreichen Familien waren jeweils fraglos die weiblichen Elternteile verantwortlich für die Ordnungsaufgaben. Daher suchte ich auch nach männlichen Interviewpartnern, die hauptverantwortlich für Ordnung in ihrem Haushalt sind. Zur Beantwortung der Forschungsfrage suchte ich außerdem Hinweise auf den besonderen Antrieb und die Motivation von sehr ordentlichen Personen. Im Kontrast dazu interessierten mich außerdem Berichte von einem möglichen gesellschaftlichen Druck auf unordentliche Personen. Es bot sich an, hier ein schon älteres Interview mit einer alleinerziehenden, arbeitslosen Mutter, die sich zur Zeit des Interviews in einem Trainingsprogramm befindet, zu verwenden. Die gelernte Buchhändlerin Annette T. ist alleinerziehende Mutter eines sechsjährigen Sohnes. Sie lebt in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit ihrem Sohn und beschreibt ihren Lebensstil als unordentlich.
Von ihr ließ ich mir Kontakt zu einem alleinerziehenden Vater vermitteln. Saeed G. ist Vater einer neunjährigen Tochter und beschreibt sich - anders als Annette T. - als sehr ordentlich. Es ist ihm wichtig, dass immer alles nach Gebrauch an seinen Platz zurückfindet. Die Einhaltung dieses Prinzips hat er inkorporiert und er hält auch seine Tochter - mit Erfolg - dazu an, diese Strategie für sich anzunehmen. Von hier aus ergab sich ein weiterer Kontakt zu einem Vater einer Tochter (in einer heterosexuellen Beziehung). Als Student mit einer voll berufstätigen Partnerin übernimmt Lukas W. in ihrem gemeinsamen Haushalt mit einer fünfjährigen Tochter die Hauptverantwortung für die anfallenden Ordnungsaufgaben. Auf einer Skala mit Werten von ›eins‹ (als sehr unordentlich) bis ›zehn‹ (als sehr ordentlich) ordnet er sich mit ›sieben‹ ein. Durch ihn kamen auch Kontakte zu einer alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern und zwei alleinstehenden Frauen zustande.
Ulli S. sieht sich nicht als sehr ordentlich. Sie war in einer gerade zu Ende gegangenen Partnerschaft und als nicht berufstätige Mutter hauptverantwortlich für die Ordnung im gemeinsamen Einfamilienhaus. Obwohl sie sich im Interview ohne Rückhalt sehr offen als inhärent unordentlich beschreibt, zeigt sie sich sehr empfindlich gegen (imaginierte) Kritik von Nachbarn und unangemeldetem Besuch. Josie S. hingegen interessiert sich sehr für Ordnung und Organisation. Um ihre Ordnungstätigkeit zu optimieren, hat sie einen Haushaltsführungskurs belegt. Alle Abläufe beim Aufräumen sind durchdacht und systematisch angelegt. Ihre Ordnungsroutine in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung beschreibt sie als Reinigungsritual, welches sie mit einer Dusche abschließt und nach welchem sie sich auch innerlich gereinigt und generell beschwingt fühlt. Nina G. lebt alleine in einer Zweizimmerwohnung in einem Mehrfamilienhaus. Sie beschreibt ihre eigene Transformation von einer eher unordentlichen Haushaltsführerin zu einer eher ordentlichen.

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