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Blink!


Blink!

Die Macht des Moments
1. Aufl.

von: Malcolm Gladwell

9,99 €

Verlag: Campus Verlag
Format: EPUB
Veröffentl.: 20.06.2005
ISBN/EAN: 9783593405001
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 264

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Jeder kennt sie: Momente, in denen wir denken, ohne zu denken.Wir nennen sie Intuition oder Bauchgefühl. Aber sie sind viel mehr: Unser Gehirn arbeitet dann auf Hochtouren, um uns die richtigen Entscheidungen zu liefern. Malcolm Gladwell erklärt die Macht dieses Augenblicks und zeigt, wie wir unsere verborgene Intelligenz trainieren und besser nutzen können.
Blink!-Momente können jederzeit eintreten – wenn sich Menschen zum ersten Mal begegnen, wenn sie Entscheidungen unter Stress treffen, wenn ihnen plötzlich etwas sagt: »Hier stimmt doch was nicht!« Malcolm Gladwell erklärt diese Augenblicke der spontanen Entscheidungen und ersten Eindrücke gekonnt und leicht verständlich. Er zeigt, wie unser Gehirn in Blink!-Momenten abgespeicherte Erfahrungen aktiviert, wie wir diese Kunst erlernen und bewusster nutzen können:

• In der Liebe
• Im Job
• Beim Einkaufen
• Bei Entscheidungsprozessen aller Art

Denn manchmal können zwei Sekunden ein ganzes Leben verändern …
BLINK!
Inhalt








Einleitung: Eine rätselhafte Statue9

1.Die Theorie der dünnen Scheibchen
Warum wir mit wenig Wissen weit kommen25

2.Hinter verschlossenen Türen
Das geheime Leben unserer Intuition54

3.Die Warren-Harding-Falle
Wie wir vorschnelle Urteile vermeiden können 78

4.Paul van Ripers großer Sieg
Wie wir Spontaneität gezielt einsetzen können104

5.Kennas Dilemma

Wie wir herausfinden, was Menschen wollen -
und wie nicht147

6.Sieben Sekunden in der Bronx

Wie wir die schwere Kunst des Gedankenlesens
lernen können186

Schluss: Mit den Augen hören
Was wir von Blink lernen können238

Anmerkungen247
Dank257
Register259
BLINK! Die verborgene Intelligenz
Malcolm Gladwell, Jahrgang 1963, wurde in England geboren und wuchs in Kanada auf. Er war lange Zeit bei der Washington Post,
zunächst als Redakteur für Wirtschaft,Wissenschaft und Medizin, später als Bürochef in New York. Seit 1996 arbeitet er für den New
Yorker. Im Jahr 2000 erschien sein Bestseller Tipping Point, der großes Aufsehen erregte. Malcolm Gladwell lebt und arbeitet in New York.
Einleitung
Eine rätselhafte Statue



Im September des Jahres 1983 kam ein Kunsthändler namens -Gianfranco Becchina auf das J.-Paul-Getty-Museum in Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien zu. In seinem Besitz befinde sich eine Marmorstatue aus dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert, die er dem Museum zum Kauf anbieten wolle. Genauer gesagt handele es sich um einen Kouros, die monumentale Statue eines nackten Jünglings, der das linke Bein leicht vorstreckt und dessen Arme gerade an der Seite des Körpers herunterhängen.
Auf der ganzen Welt gibt es heute nur rund 200 dieser Kouroi, die meisten davon sind stark beschädigt, zum Teil wurden an den Ausgrabungsstätten und auf antiken Friedhöfen sogar nur Bruchstücke gefunden. Der Kouros, den Gianfranco Becchina dem Getty Museum anbot, war dagegen fast perfekt erhalten. Er war gut 2,10 Meter hoch und schimmerte in einem hellen Marmorton, durch den er sich von übrigen antiken Statuen abhob. Es war ein außerordentlicher Fund, für den Becchina rund 10 Millionen US-Dollar verlangte.
Das Getty Museum überstürzte nichts. Wie in solchen Fällen üblich, nahm es das Kunstwerk zunächst als Leihgabe auf und ließ es gründlichst von Experten untersuchen. Die erste Frage war, ob diese Statue Ähnlichkeiten mit den anderen bekannten Kouroi aufwies. Die Antwort lautete ja: Es konnten gewisse stilistische Gemeinsamkeiten mit dem Kouros von Anavyssos festgestellt werden, der im Nationalen Archäologischen Museum in Athen ausgestellt ist. Alles schien darauf hinzuweisen, dass er aus etwa derselben Zeit und derselben Region stammte. Natürlich wollten die Experten von dem Kunsthändler wissen, wo und wann diese Statue ausgegraben worden war. Darauf konnte Becchina zwar keine Antwort geben, dafür legte er dem Museum einen Aktenordner mit Dokumenten vor, mit denen er eine lückenlose Reihe von Vorbesitzern aus jüngerer Zeit nachwies. Aus diesen Papieren ging hervor, dass sich der Kouros seit den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts im Privatbesitz eines Schweizer Arztes namens Lauffenberger befunden hatte, der ihn wiederum von einem bekannten griechischen Kunsthändler namens Roussos erworben hatte.
Das Museum zog mit Stanley Margolis einen Geologen der Universität Kalifornien zurate. Dieser brachte zwei Tage damit zu, die Oberfläche der Statue mit einem hochauflösenden Stereomikroskop zu untersuchen. Außerdem entnahm er unterhalb des rechten Knies des Jünglings eine Gesteinsprobe von einem Zentimeter Durchmesser und zwei Zentimetern Länge und analysierte sie im Labor der Universität mittels Elektronenmikro-skop, Elektronenstrahl-Mikroprobe, Massenspektrografie, Rönt-gendiffraktions- und Röntgenfloureszenzsuntersuchungen. Margolis kam zu dem Schluss, dass es sich bei dem Material um Dolomit-Marmor aus dem antiken Bergwerk auf der Insel Thasos in der nördlichen Ägäis handelte. Die Oberfläche der Statue war mit einer feinen Kalzitschicht überzogen, was nach Auskunft von Margolis sehr bedeutsam sei für die Einschätzung des Alters, denn Marmor verwandele sich erst im Laufe von Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden in Kalzit. Das bedeutet, dass diese Statue einen langen Alterungsprozess durchgemacht haben musste, was wiederum hieß, dass es sich un-möglich um eine zeitgenössische Fälschung handeln konnte.
Das J.-Paul-Getty-Museum vernahm diese Ergebnisse mit Genugtuung. Vierzehn Monate nachdem Gianfranco Becchina zum ersten Mal im Museum vorstellig geworden war, wurde man handelseinig. Im Herbst 1986 stellte das Museum die Statue erstmals aus, und die New York Times widmete dem Ereignis einen Artikel auf ihrer Titelseite. Einige Monate später veröffentlichte Marion True, die Kuratorin der Abteilung für Antike Kunst des Getty Museums, einen langen und begeisterten Artikel über die Neuanschaffung in der Kunstzeitschrift Burlington Magazine. "Aufrecht stehend und ohne äußere Stütze, die geschlossenen Hände fest an die Lenden gepresst, bringt der Kouros jene selbstsichere Vitalität zum Ausdruck, die auch den besten seiner Brüder zu eigen ist." Sie schloss triumphierend: "Ob Gott oder Mensch - in ihm verwirklicht sich die ganze strahlende Kraft der noch jugendlichen Kunst des Abendlandes."
Leider hatte der Kouros des Getty Museums einen kleinen Schönheitsfehler: Mit seinem Aussehen stimmte etwas nicht. Der erste, der darauf hinwies, war ein italienischer Kunsthistoriker namens Federico Zeri, der damals im Beirat des Getty Museums saß. Als Zeri im Dezember 1983 in die Werkstatt des Museums geführt wurde, um den Kouros zu besichtigen, starrte er lange die Fingernägel der Statue an. Irgendetwas störte ihn, ohne dass er genau hätte sagen können, was.
Evelyn Harrison, eine der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der griechischen Plastik, war die nächste, die Zweifel an der Echtheit der Statue vorbrachte. Sie stattete dem Getty Museum einen Besuch ab, kurz bevor der Handel mit Becchina abgeschlossen wurde. "Arthur Houghton, der damals Kurator des Museums war, führte uns in die Werkstatt", erin-nert sie sich. "Er zog das Tuch weg, mit dem die Statue verhüllt war, und sagte: ›Noch gehört er uns zwar nicht, aber in ein paar Wochen ist es endlich so weit.‹ Worauf ich erwiderte: ›Es tut mir Leid, das zu hören.‹" Was hatte Harrison gesehen? Sie konnte es nicht genau sagen. Aber in dem Moment, in dem Houghton die Statue enthüllte, hatte sie eine Ahnung, ein instinktives Gefühl, dass mit dem Jüngling irgendetwas nicht in Ordnung war.
Ein paar Monate später führte Arthur Houghton den früheren Direktor des Metropolitan Museum of Art in New York, Thomas Hoving, in die Restaurationswerkstatt, um einen Blick auf die Statue zu werfen. Hoving hat die Angewohnheit, sich immer das erste Wort zu merken, das ihm durch den Kopf geht, wenn er etwas Neues sieht. Er werde nie vergessen, was er beim Anblick des Kouros gedacht habe, erzählte er. "Es war ›frisch‹ - ›frisch‹," erinnert er sich. Und ›frisch‹ ist normalerweise nicht gerade das erste Wort, das einem beim Anblick einer zweieinhalbtausend Jahre alten Statue einfallen sollte. Als er sich später an diesen Moment zurückerinnerte, wusste er plötzlich auch, warum er diesen Gedanken gehabt hatte: "Bei meinen Ausgrabungen in Sizilien haben wir einige Bruchstücke dieser Dinger gefunden. Die sehen einfach anders aus, wenn sie aus der Erde kommen. Der Getty-Kouros sah aus wie aus dem Ei gepellt."
Nach einem kurzen Blick auf die Statue wandte Hoving sich um und fragte Houghton: "Habt Ihr den schon bezahlt?"

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